Der Einsatz von Mobilrobotik birgt enorme Chancen für produzierende Unternehmen. Gleichzeitig kann die Einführung der Technologie zur echten Herausforderung werden. Wir möchten mit konkreten Praxistipps unterstützen.

Mobilrobotik: Chance und Herausforderung

Sie beschäftigen sich mit dem Thema Mobilrobotik? Da sind Sie nicht allein. Immer mehr Produktionsverantwortliche widmen sich aktuell der Automatisierung ihrer Intralogistik. Unternehmen erkennen die Vorteile, die ihnen dieser Schritt bietet: Erhöhung von Produktivität und Flexibilität, Fehlervermeidung, Materialrückverfolgbarkeit, und effektiverer Einsatz der Mitarbeiter als wertvollste Ressource. Kein Wunder also, dass Mobilrobotik hoch im Kurs steht.

Mit der Entscheidung für den Einsatz ist es allerdings noch nicht getan. Eine Fabrik ist ein hochkomplexes und empfindliches System. Eine Umstellung der Fertigung und Integration von Mobilrobotik geschieht nicht von heute auf morgen. Das haben wir bei LMZ selbst erfahren. Als offizieller Solution-Partner des Mobilrobotik-Anbieters Omron entwickeln wir nicht nur Mobilrobotik-Lösungen für unsere Kunden, sondern haben die Technologie auch in unserer eigenen Fertigung integriert. Die Erfahrungen, die wir auf unserem Weg sammeln durften, möchten wir Ihnen zum Einstieg in die Mobilrobotik an die Hand geben.

Einstieg Mobilrobotik: 5 konkrete Praxistipps

Mobilrobotik-Experte Sven Kaluza von Omron

Für den bestmöglichen Wissenstransfer kombinieren wir unsere eigene Erfahrung mit dem Expertenwissen von Sven Kaluza, Business Development Manager Robotics bei Omron. In seiner Funktion beschäftigt sich Sven nun seit mehreren Jahren mit der Mobilrobotik und hat diverse Projekte technologisch und organisatorisch begleiten dürfen.

Entstanden sind fünf konkrete Praxistipps, die Ihr Mobilrobotik-Projekt zum Erfolg führen:

  • 1. Beachten Sie den Grad der benötigten Flexibilität.
  • 2. Stellen Sie Ihr aktuelles Intralogistik-Konzept auf den Prüfstand.
  • 3. Führen Sie eine der Technologie angepasste ROI-Berechnung durch.
  • 4. Denken Sie groß, aber starten Sie klein.
  • 5. Holen Sie relevante Stakeholder frühzeitig und transparent ins Boot.

Beachten Sie den Grad der benötigten Flexibilität.

Die erste Frage beim Thema Mobilrobotik: Welche Lösung brauche ich denn? Die Gegenfrage lautet: Wie flexibel darf es denn sein? Die Individualisierung von Produkten und folgerichtig die Flexibilisierung von Produktionssystemen nimmt stetig zu. Dennoch ist der Grad der Flexibilität, den eine Mobilrobotik-Lösung mitbringen muss, in jedem Anwendungsfall unterschiedlich. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl an mobilen Robotern – von spurgebundenen Modellen (AGV = Automated Guided Vehicle) bis hin zu autonom fahrenden Lösungen (AMR = Autonomous Mobile Robot).

Autonome Mobilroboter bieten grundsätzlich ein höheres Maß an Flexibilität als ihre spurgebundenen Verwandten. Dennoch gibt es für alle Modelle auch heute noch ausreichend Anwendungsfälle. Bei der Wahl Ihrer Mobilrobotik-Lösung empfehlen wir demnach eine IST-Analyse, um zu identifizieren, wie viel Flexibilität in Ihrer Fabrik heute und in Zukunft benötigt wird.

Während ein AGV an eine fest definierte Spur gebunden ist, navigiert ein AMR frei durch seine Umgebung. Bild: Omron

PS: Wir bei LMZ sind spezialisiert auf den Einsatz autonomer, mobiler Roboter (AMR). Wenn Sie die zentralen Unterschiede, Vorteile, Funktionsweisen und Anwendungsfelder dieser Technologie erfahren möchten, lesen Sie gern unseren Beitrag zum Thema: Autonome, mobile Robotik in der Industrie.

Stellen Sie Ihr aktuelles Intralogistik-Konzept auf den Prüfstand.

Der erste Reflex bei der Automatisierung der Intralogistik ist in den meisten Fällen die schlichte Umstellung der bestehenden Konzepte und Systeme auf eine automatisierte Variante. Ein mobiler Roboter erledigt demnach die Tätigkeiten, die zuvor manuell durchgeführt wurden. Das kann der richtige Weg sein, muss es aber nicht.

Die manuelle Durchführung intralogistischer Tätigkeiten und der Einsatz von Mobilrobotik sind zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Entsprechend unterschiedlich sieht ein ideales Intralogistik-Konzept aus. Bei der Diskussion um den optimalen Einsatz von Mobilrobotik bietet es sich demnach an, sie nicht als schlichten Mitarbeiterersatz zu betrachten. Mobilrobotik ist eine ergänzende Technologie, welche neue Perspektiven bietet – durch individuelle Aufbauten, Kombination mit anderen Technologien (z.B. Cobots), oder Interaktion im Flottenverbund.

Daher empfehlen wir: Lassen Sie sich Ihre Möglichkeiten aufzeigen und entscheiden Sie losgelöst von bestehenden Strukturen, was für Ihre Fabrik am sinnvollsten ist.

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Wie automatisieren Sie Ihre Intralogistik mithilfe von Mobilrobotik? Im Gespräch mit Sven Kaluza gehen wir der Frage auf den Grund.

Im Rahmen unseres LMZ Industry Talk haben wir den Mobilrobotik-Experten Sven Kaluza persönlich getroffen. Gemeinsam sprechen wir über den Status Quo deutscher Fabriken beim Thema Mobilrobotik. Außerdem gehen wir – wie in diesem Blogbeitrag – auf den idealen Einstieg in die Mobilrobotik ein und werfen einen Blick in die Zukunft der Technologie.

Führen Sie eine der Technologie angepasste ROI-Berechnung durch.

Bei einer klassischen Automatisierung – etwa von einem Montage- oder Prüfprozess – lässt sich der ROI vergleichsweise simpel berechnen. Durch die Automation spart man Zykluszeit X, Ausschuss Y, oder Reklamationskosten Z. Dies lässt sich wiederum gut auf das jeweilige Bauteil umrechnen.

Mobilrobotik wirkt sich jedoch nicht auf einen einzelnen Prozess aus, sondern übergreifend auf die gesamte Fertigung. Wie bereits beschrieben, ersetzen mobile Roboter keinen konkreten Mitarbeiter in einer konkreten Tätigkeit, sondern ergänzen das Produktionssystem als ganzheitlich integrierte Technologie. Um den Nutzen zu ermitteln, sollten Sie demnach prozessübergreifend denken. Stellen Sie sich beispielsweise folgende Fragen:

  • An welchen Anlagen kann die Mobilrobotik als nachgelagerter Prozess ansetzen?
  • Wie viele Transportwege sind täglich durch Mobilrobotik einzusparen?
  • Wie viel Zeit wird frei, die Mitarbeiter nun wertschöpfend nutzen können?
  • Inwiefern verbessern sich die Arbeitsbedingungen (Ergonomie) der Mitarbeiter?

Manche Auswirkungen lassen sich ad hoc ermitteln (Transportwege, Transportzeiten, etc.), manche Auswirkungen zeigen sich langfristig (Krankheitstage, Fluktuationsquote, etc.). Je mehr relevante Faktoren Sie jedoch in Ihre Berechnungen einfließen lassen, desto exakter können Sie den Nutzen von Mobilrobotik für sich bestimmen und auch argumentieren. Sie merken: Es lohnt sich, das Gesamtbild zu betrachten.

Denken Sie groß, aber starten Sie klein.

Mobilrobotik wirkt prozessübergreifend. Sie stiftet Wert in Ihrer gesamten Fertigung. Das langfristige Ziel sollte definitiv sein, diesen Wert auch auszuschöpfen. Speziell in der Konzeptionsphase Ihres Projektes ist „Think Big“ demnach eine gute Herangehensweise: Sie blicken über den Tellerrand hinaus. Sie entwickeln alternative Intralogistik-Konzepte. Der Blick auf’s große Ganze erlaubt eine solche Strategieentwicklung.

In der konkreten Umsetzung empfiehlt sich jedoch eine umgekehrte Vorgehensweise: „Start Small“. Ein überhasteter Start mit einer Vielzahl an Robotern, Modellen, und Anbietern ist extrem schwierig zu realisieren – sowohl technisch und organisatorisch, als auch kulturell. Man darf auf keinen Fall vergessen, dass Mobilrobotik ein Change Prozess ist und kulturellen Wandel bedeutet. Starten Sie zunächst mit 1 mobilen Roboter, wirken Sie dem entgegen. Sie haben die Möglichkeit zu lernen, Ihre Leute abzuholen, und auf Basis Ihrer Erkenntnisse zu skalieren.

Wichtig ist, dass Sie von Beginn an auf ein skalierbares Konzept setzen. Auch wenn Sie klein starten, kommt ein Mobilroboter selten allein. Ein funktionierendes Flottenmanagement ist mittelfristig unabdingbar.

Holen Sie relevante Stakeholder frühzeitig und transparent ins Boot.

Ein Mobilrobotik-Projekt wird nicht nur Befürworter in Ihrem Unternehmen finden. Für den Erfolg Ihres Projektes ist es wichtig, die Leute dennoch mitzunehmen. Es geht um transparente Kommunikation von Beginn an. So können Bedenken und Missverständnisse beseitigt werden. Außerdem erhalten Sie wertvollen Input, der Ihnen im fortschreitenden Projektverlauf hilft. Doch wer sind relevante Stakeholder?

  • Geschäftsleitung (C-Level)
  • Betriebsrat
  • Mitarbeiter in der Fertigung

Letztlich hat jeder ein Interesse an Ihrem Projekt, dessen Arbeit in irgendeiner Weise von der Mobilrobotik tangiert wird. Ihr entscheidender Erfolgsfaktor wird sein, sog. Missionare als Treiber der Technologie zu finden und zu fördern. Gleichzeitig sollten Sie im engen Austausch mit denjenigen Stakeholdern bleiben, die noch nicht überzeugt sind. So stellen Sie sicher, dass Ihr Einstieg in die Mobilrobotik nicht nur technologisch, sondern vor allem auch kulturell ein Erfolg wird.

Abschließend: Unser Angebot an Sie.

Auf Basis unserer Erfahrungen im Bereich Mobilrobotik und der Expertise unseres Systempartners haben wir bei LMZ eine Checkliste und einen Kick off Prozess entwickelt, der Unternehmen dabei unterstützt, den richtigen Einstieg in die Technologie zu finden. Wenn Sie Interesse haben, laden wir Sie herzlich zu einem persönlichen Gespräch via MS Teams ein, um einen Lösungsansatz für Ihren individuellen Anwendungsfall zu erarbeiten. Über den Button können Sie ganz unkompliziert eine Anfrage senden, und wir finden einen Termin.

Weiterführende Links:

🔗 Das gesamte Gespräch mit Mobilrobotik-Experte Sven Kaluza im YouTube-Video.

🔗 Mobilrobotik-Lösungen von LMZ Lenkering im Überblick.

🔗 Unsere Mobilrobotik-Lösung bei LMZ Lenkering im YouTube-Video.

Dennis Lenkering (B.Sc.)
Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer von LMZ Lenkering mit einer tiefen Leidenschaft für digitalisierte, intelligente und automatisierte Produktionsketten.
Torben Fangmann (B.A.)
B2B Marketing Stratege mit Inhaltsfokus auf industrielle Themen und branchenspezifische Entwicklungen rund um die Fabrik der Zukunft.