Robotik gilt als das Aushängeschild für industrielle Automatisierung. Von der Montage bis zur Verpackung kommen Industrieroboter an den verschiedensten Stellen der Produktion zum Einsatz – wenn man denn möchte. Aber wo steht die Industrie aktuell beim Thema Robotik? Wir haben Robotik-Top-Experte Werner Hampel von der RobTec GmbH getroffen und mit ihm über aktuelle Anwendungsgebiete und Tipps für Mittelständler beim Umgang mit Industrierobotern gesprochen. Viel Spaß!

Herzlich Willkommen: Werner Hampel

Robotik-Experte Werner Hampel von der RobTec GmbH

Die Möglichkeiten und Einsatzgebiete von Robotern in der Industrie entwickeln sich rasant. Jemand, der davon ein Lied singen kann, ist Werner Hampel. Werner ist seit über 30 Jahren im Robotik-Geschäft tätig. Er hat mit seinem eigenen Ausbildungsprogramm über 1 Tsd. Menschen im Umgang mit Industrierobotern ausgebildet, und unterstützt täglich zahlreiche Unternehmen dabei, Robotik für die eigene Produktion zu nutzen. Als aktives Mitglied im Deutschen Robotik Verband e.V. hat er sich gemeinsam mit seinen Kollegen auf die Fahne geschrieben, speziell dem deutschen Mittelstand das große Thema „Robotik“ näherzubringen.

Lieber Werner, die industrielle Robotik ist auf dem Vormarsch. Längst sind es nicht mehr nur die riesigen Fabriken, die sich den Einsatz von Robotern auf die Fahne schreiben können. Auch der Mittelstand macht entscheidende Fortschritte. Aus deiner Perspektive:

Wie siehst Du die Entwicklungen in der Robotik? Wo werden Industrieroboter eingesetzt?

Werner Hampel: „Damals, im Jahr 1961 haben wir angefangen mit dem weltweit ersten Industrieroboter – das war bei General Motors (GM). Entsprechend sind Industrieroboter als Solches schon sehr lange im Einsatz. Zunächst einmal wurden die Roboter dann zu Hunderten, gar Tausenden in der Automotive-Industrie ausgerollt. Aber heutzutage sind es nicht mehr nur die Automobil-Hersteller. Heutzutage ist die Robotik endlich auch in der großen, produzierenden Industrie, und sogar im Handwerk angekommen.

Der kleine Metallbauer, und sogar der Bäcker um die Ecke setzen heute schon Industrieroboter ein. In Apotheken habe ich schon Roboter gesehen. Das ist wirklich wunderbar!

Werner Hampel

Denn es lohnt sich für die Unternehmen. Roboter werden überall dort eingesetzt, wo eintönige Arbeiten erledigt werden müssen. Der Mensch macht das in den meisten Fällen nicht mehr. Wenn wir an die damaligen Fabriken von Henry Ford denken, wo die immer gleiche Schraube vom Mitarbeiter eingesetzt wurde, den ganzen Tag – diese monotonen Arbeiten gehen immer mehr an Roboter über.

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Sehen Sie hier das gesamte Gespräch mit Werner Hampel zum Thema „Robotik in der Industrie“.

Und das ist auch sehr gut so! Schließlich möchten wir als Unternehmen konkurrenzfähig bleiben und die Menschen entlasten von diesen eintönigen Arbeiten. In welche Richtung sich die Robotik in Zukunft entwickeln wird, ist sehr schwer zu sagen, denn es geht in jede denkbare Richtung. Man sieht diesen Trend wirklich in der gesamten Industrie und im Handwerk.

Selbst Kaffeeautomaten können mittlerweile schon mit Robotern ausgestattet werden. Das ist sensationell. Den Unternehmen stehen hier alle Türen offen – nicht zuletzt, weil Industrieroboter immer leichter zu bedienen und zu programmieren sind, und bezahlbarer werden.“

Vielen Dank, Werner! Was sich dem Statement sehr gut entnehmen lässt: Robotik ist kein Mitbringsel der Industrie 4.0, sondern existiert schon deutlich länger. Was sich ändert/erweitert, sind schlicht die Einsatzgebiete von Robotern. Sei es die branchenübergreifende Anwendung, z.B. in der …

  • Logistik
  • Kunststoffindustrie
  • Getränkeindustrie
  • Textilindustrie
  • holz- und metallverarbeitenden Industrie

… oder die zunehmenden Tätigkeitsfelder: Von einfachen Pick-and-Place-Tätigkeiten, über Montageprozesse (Kleben, Verschrauben, Schweißen, etc.) und Verpackungsprozesse, bis hin zum Einsatz von mobiler Robotik (Fahrerlose Transportsysteme). Es sind sprichwörtlich keine Grenzen gesetzt!

Mit zunehmenden Möglichkeiten nehmen allerdings auch die Herausforderungen zu, mit denen Mittelständler sich konfrontiert sehen. Denn der Umfang, in dem Robotik in Unternehmen eingesetzt wird, ist sehr unterschiedlich. Wo einige Betriebe bereits mit ausgeprägten und komplexen Robotersystemen arbeiten, stehen andere noch ganz am Anfang. Wo und wie also starten? Das haben wir auch Werner Hampel gefragt:

Was empfiehlst Du Mittelständlern beim Umgang mit Robotik?

Werner Hampel: „Wie ihr ja bereits zu Anfang erwähnt habt, ist der Deutsche Robotik Verband genau dazu da, den Mittelstand zu unterstützen. Das machen wir mit vielen Hilfeleistungen: Finanzierung, Realisierung, Lehrgänge, usw. Wie packt man das Ganze jetzt an? Zunächst einmal schaut man auf seine Prozesse:

Wo sind eintönige Arbeiten? Wo sind gesundheitsgefährdende oder unergonomische Arbeiten? Wo finde ich eventuell keine Mitarbeiter mehr?

An diesen Stellen setzt man dann an. Dort, wo es am meisten brennt, und wo es sich auch am ehesten rentiert.

Von dort an entwickelt man sich schrittweise weiter. Man kann nicht erwarten, von heute auf morgen seine gesamte Fabrik zu automatisieren – das funktioniert nicht. Wichtig ist es, zunächst einmal zu starten: Mit einem kleinen Robotersystem, vielleicht auch mit einem guten gebrauchten Roboter. Es muss nicht direkt die große Roboterzelle sein.

Und man sollte unbedingt die eigenen Mitarbeiter mit in den Entwicklungsprozess integrieren! Die Mitarbeiter in der Produktion wissen oft besser als der Unternehmer, wo Industrieroboter wertschöpfend eingesetzt werden können.

Wenn man es schafft, die richtigen Stellen zu identifizieren, mit der richtigen Erwartungshaltung an das Thema heranzugehen, und seine Mitarbeiter zu integrieren, dann bin ich mir sicher: Dann klappt auch der Einstieg in die Robotik! Und dann kann man natürlich auch nochmal beim Deutschen Robotik Verband vorbeischauen, um sich den ein oder anderen Anfängerfehler zu ersparen (Zwinker).“

Vielen Dank, Werner, für diese wertvollen Tipps! Wir können an dieser Stelle nur beipflichten: Eine Schritt-für-Schritt Vorgehensweise ist der Weg zum Ziel. Gemeinsam mit den eigenen Mitarbeitern – mit den Leuten, die tagtäglich in der Produktion stehen, die Prozesse bestens kennen und genau wissen, wo die Knackpunkte sind. Die wertvollen Informationen, die man hier direkt in der Fertigungshalle erhält, sind in späteren Robotikprojekten Gold wert.

Hinzu kommt, dass ein transparenter Umgang mit dem Thema Roboter-Integration ein wichtiger Bestandteil in der internen Kommunikation ist. Denn die Produktionsmitarbeiter sind es am Ende, die mit den Industrierobotern als „Arbeitskollegen“ zusammenarbeiten. Dort sollte unbedingt die Chance genutzt werden, Ängste zu nehmen und die eigenen Leute vernünftig an die Entwicklungen heranzuführen.

Weiterführende Links:

🔗 Das gesamte Gespräch mit Robotik-Experte Werner Hampel im YouTube-Video.

🔗 Der Roboterkanal auf YouTube – Alles rund um Industrieroboter.

🔗 Weitere Gespräche mit Experten der Branche: Im LMZ Industry Talk.

Dennis Lenkering (B.Sc.)
Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer von LMZ Lenkering mit einer tiefen Leidenschaft für digitalisierte, intelligente und automatisierte Produktionsketten.
Torben Fangmann
Marketing- und Kommunikationsmanager mit Inhaltsfokus auf industrielle Themen und branchenspezifische Entwicklungen aus Automatisierung und Industrie 4.0.